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Heilpraktikerschwemme

Mehr Heilpraktiker als Ärzte

Deutschland ist überschwemmt von fast 40.000 Heilpraktikern
Seit über zehn Jahren ist der Beruf des Heilpraktikers leider ein sogenannter Modeberuf geworden. Von falschen finanziellen Vorstellungen ausgehend drängen immer mehr neue Praxen in Städte und Dörfer. So finden Sie z.B. im Umkreis von zehn Kilometer um Kulmbach inzwischen deutlich mehr Heilpraktiker als Ärzte für Allgemeinmedizin! Die esoterischen oder physikalischen Anbieter von "Klangschalentherapie", Ayurveda, Hot-Stone-Massagen, Traumdeuter, Bachblüten, Schüssler-Salze oder ähnlichen Laienbehandlungen noch gar nicht mit eingerechnet. Und auch Schulen um Heilpraktiker auszubilden oder zu Prüfung vorzubereiten finden Sie nicht nur in Kleinstädten sondern auch auf kleinen Dörfern. Allein in unserer Nähe gibt es inzwischen acht solcher Anbieter!! Und sorgen so für immer mehr enttäuschte Absolventen solcher "Schulen". Eines muss jedoch jedem klar sein, der eine solche Ausbildung anstrebt: Nur die wenigsten werden es schaffen mit dem Beruf des Heilpraktikers in einer eigenen Praxis dauerhaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einer verdient aber immer: Die Schule, die Sie ausbildet. Auch wenn Sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Ihrer Heilpraktikertätigkeit leben können. Ihre hohen Ausbildungskosten waren dann eine sinnlose Investition.

Alleine an unserem Praxisort Untersteinach mit nur 2.000 Einwohnern gibt es mittlerweile (bitte setzen Sie sich) fünf Heilpraktiker!

Um von einer Praxis dauerhaft leben zu können muss ein Umsatz von mindestens 100.000,- Euro pro Jahr erzielt werden. Bisher haben wir noch keinen Interessenten dieser "Schulen" gesehen dem von seiner "Schule" nachgewiesen werden konnte, dass einer ihrer ehemaligen Schüler diesen Umsatz erreichte und diesen auch über Jahre hinweg konstant erzielen konnte.

Vor dieser bedenklichen Entwicklung ernährte ein Umfeld von 35.000 Einwohnern etwa zwei Heilpraktiker. Inzwischen kommen, wie in unserer Gegend, fast 40 Heilpraktiker auf 35.000 Einwohner (ja - Sie haben richtig gelesen). Trotzdem eröffnen seit Jahren alle paar Monate neue Naturheilpraxen und versuchen ihr Glück. Und da nicht die Einwohnerzahl steigt sondern die Anzahl der Praxen immer weiter nach oben explodiert können fast alle diese Tätigkeit nur nebenbei betreiben. Und müssen dann doch nach wenigen Jahren schließen, da aufgrund des Überangebotes an Praxen die Patienten fehlen. Und wenn die Praxis nicht läuft arbeitet man verzweifelt zwei Tage in der Woche zusätzlich in einer anderen Praxis in einem in der Nähe gelegenen Ort und versucht sich so mit "zwei" Praxen über Wasser zu halten. Bis man dann doch aufgeben muss. Oder man versucht sogenannte "Praktikanten" tageweise mit in die Praxis zu nehmen - natürlich gegen Bezahlung. Um noch etwas länger durchzuhalten. Oder gibt Kurse an Volkshochschulen damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt. Oder versucht sich als Dozent an einer dieser "Schulen".

Das Einkommen eines Heilpraktikers
Die letzte seriöse! Umfrage zum Einkommen einer Naturheilpraxis stammt (soweit wir wissen) aus dem Jahre 2004. Damals gab es noch erheblich weniger Naturheilpraxen, der "Markt" war erheblich größer. Laut dieser Umfrage verdiente damals ein Heilpraktiker in Bayern durchschnittlich nur knapp 11.000.- Euro im Jahr vor Steuern (ja - auch dies haben Sie richtig gelesen). Dies entspricht etwa 900.- Euro pro Monat! Natürlich gibt es "Ausreißer" nach oben, aber selbstverständlich auch nach unten. 

Außer unserer Praxis kennen wir nur noch drei andere Kollegen im Umkreis von 20 km, die von den Einnahmen ihrer Praxis dauerhaft im Vollerwerb leben können. Um eine auf Dauer finanziell tragfähige Basis mit einer Naturheilpraxis aufzubauen bedarf es vieler Jahre Berufserfahrung, eigener erfolgreicher Behandlungskonzepte (und nicht nach dem Motto: noch ein Anbieter von Akupunktur, noch einer mit Homöopathie, noch einer mit Schröpfen, noch einer mit TCM, noch einer mit Osteopathie, usw.), erhebliches finanzielles Durchhaltevermögen und ein ständiges Engagement um das Wohl der Patienten.

Deshalb bieten wir seit über zehn Jahren weder Praktikumsplätze an noch bilden wir weiterhin in irgendeiner Form zum Heilpraktiker aus. Die Enttäuschung der Berufsanfänger nicht von dem Beruf leben zu können wäre vorprogrammiert. Und diesem Vorwurf wollen wir uns nicht aussetzen. 

In jedem "normalen" Beruf oder Geschäft würde man vor Beginn die Marktchancen prüfen, um wenigstens abschätzen zu können, ob es überhaupt einen Sinn macht. Wer studiert z.B. schon Lehramt, wenn klar ist, dass eh keine Lehrer gebraucht würden?

Einige Auszüge aus Berichten von Heilpraktikern
Anmerkung eines langjährigen Heilpraktikers aus Baden-Baden:
„Hallo, Inna hat völlig recht. Der HP-Beruf (als Existenz) ist sehr schwierig. Es dauert Jahre, bis Du (Können vorausgesetzt - und dazu reicht die HP-Zulassung nicht im Geringsten) davon leben kannst. Das ist der Grund, warum die Majorität der HPs nebenberuflich tätig ist (es gibt aktuell etwas 26.000 HPs...) Du musst ja nicht nur Deinen privaten Lebensunterhalt verdienen (inkl. all dem, was normalerweise "Sozialleistungen" heißt), sondern auch alle Kosten Deiner Praxis (Miete, Versicherungen, Werbung usw.). Ich seh das ähnlich wie bei dem Traumberuf "Musiker", "Künstler" etc. Auch da "krebsen" die Mehrzahl rum und kommen auf keinen grünen Zweig. Als ich mich (vor 20 Jahren) als HP selbständig gemacht habe (nach Assistenzeit) hat mir eine erfahrene Kollegin gesagt, ich würde etwa das "rechnen" müssen, was für eine Allgemeinmediziner-Praxis auch veranschlagt würde - und das waren damals rund 180.000 DM. Das wollte ich nicht glauben, weil das in meinem Finanzplan nicht realisierbar gewesen wäre. Heute weiß ich: Sie hatte recht. Entweder steckt man das Geld in die Übernahme einer - gut laufenden - Praxis oder in den Lebensunterhalt und die Kosten, die man finanzieren muss, bis die neue Praxis mehr einbringt, als sie kostet. Ich war - trotz Wirtschaftsstudium - naiv und dachte, die Resonanz auf mich als HP wäre viel größer. Es war nicht so... Heute ist es nicht einfacher geworden. Ich rate daher jedem/jeder HP dazu, sich über die Realitäten des Berufes gut zu informierenen, bevor die Existenz darauf aufgebaut wird. Unser Beruf wird oft idealisiert, d.h., Menschen, die den üblichen Zwängen der Zeit entkommen wollen (Zahlen, Stress usw.) flüchten in den HP-Beruf. Aber, auch hier musst Du "Umsatz machen", Miete bezahlen, Steuern zahlen, Patienten werben usw.“

Anmerkung einer Heilpraktikerin aus Velbert:
„Hallo!......Ich bin Krankenschwester und habe meine Vorstellung vom "Traumberuf" Ende 2009 mit der Heilpraktikerprüfung wahr gemacht. Seit September letzten Jahres habe ich nebenberuflich eine eigene Praxis, ich habe gleich Nägel mit Köpfen gemacht und (günstige) Räume angemietet, mich nett eingerichtet, viele Lehrgänge besucht (zur TCM Ausbildung gehe ich immer noch) und mich frohen Mutes mit einem gut errechnetem finanziellen Polster in meine neue Arbeit gestürzt. Ich glaube, dass die Patienten, die ich bisher betreue mit mir zufrieden sind und gerne zu mir kommen und ich liebe diese Arbeit, aber trotzdem weiss ich heute nicht, ob ich mit meiner Praxis überleben werde, meine Reserven schwinden schneller als ich dachte und diese Situation macht mir gerade schwer zu schaffen :-(......Ich stecke sehr viel Energie, Kraft und Geld da rein, mache Werbung, halte Vorträge und trotzdem habe ich nicht den erwünschten Umsatz. “

Anmerkung eines Heilpraktikers aus der Nähe von Zirndorf
"Ich habe einfach alle älteren Kollegen in meiner Umgebung angerufen und gefragt, ob sie sich vorstellen könnten ihre Praxis zu verkaufen. Bei einem hatte ich Glück. Er wollte demnächst seine Praxis verkaufen und der Umsatz betrug über 100.000,- Euro in Jahr. Gezahlt habe ich für die Praxis 100.000,- Euro und habe es keine Sekunde bereut. Der Kollege hat mich eingearbeitet und so kamen auch bis auf wenige Ausnahmen alle vorherigen Patienten auch weiterhin zu mir. Mein Bankdarlehen habe ich innerhalb vier Jahren zurück zahlen können. Und inzwischen habe ich meinen Umsatz aufgrund der guten Basis des Vorgängers um knapp 20% steigern können. Mir geht es gut. Sehr gut. Obwohl auch bei mir unverständlicherweise ständig neue Praxen aufmachen. Darüber kann ich nur schmunzeln."

Anmerkung eines Kollegen aus Baden-Baden
„HP zu werden ist so oder so nicht leicht. Nebenbei zu lernen und als HP zu arbeiten ist sehr anspruchsvoll (in Sachen Motivation, Energie usw.). Aber ohne großen finanziellen Rückhalt oder sonstige Besonderheiten (eigenes bereits bezahltes Haus mit Praxis, gut verdienender Partner etc.) hast Du in Vollzeit praktisch keine Chance. Es dauert einfach zu lange (5-7 Jahre), bis man genug Patienten hat. Immer vorausgesetzt, man ist wirklich gut (und dazu braucht man erstmal Erfahrung - und die vermittelt einem keine Schule...)“.

Anmerkungen anderer Heilpraktiker zur Heilpraktikerschwemme
"Was ich allerdings mittlerweile dabei festgestellt habe, ist die Tatsache, dass es .. im o.g. Kreis und den Städten von Heilpraktikern/Innen nur so wimmelt. Langsam aber sicher schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass die Berufsaussichten für HP nicht wirklich so erfolgsversprechend sind, wie z.B. oft von einigen Schulen und Verbänden immer wieder propagiert wird."

"Bei uns: 26.000 EW und 21 Heilpraktiker. WAHNSINN."

"Der HP ist ein Modeberuf geworden und viele, die "irgendwie" aussteigen wollen, ergreifen ihn bzw. machen die Ausbildung. Aber die Rate an Abbrechern ist groß, oft schon während der Ausbildung. Und die Mehrzahl der neuen Praxen schließt ebenfalls relativ schnell wieder, wenn die neue Kollegen mit der Realität des Berufs konfrontiert werden und der "Lack ab" ist."

"Heilpraktiker im Stadtbereich: 59. Suche erweitert auf 20 km ab Mitte Stadtzentrum: 155 Heilpraktiker. Dazu diverse Ärzte mit Zusatzbezeichnung Naturheilkunde und eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Wellness-, Massage-, Beratungs-Anbietern."

"Ich bin jetzt ganz baff. Wir sind ja hier eher eine ländliche Gegend, aber als ich jetzt bei Google gesucht habe im Umkreis von 20 km hat der Computer tatsächlich 50 HPs ausgespuckt. Da sind die ganzen nicht zugelassenen Heiler aus welcher Richtung auch immer, nicht dabei. Heilpraktiker schießen hier wie Pilze aus dem Boden."

"Puuh, die Heilpraktikerdichte - da sprichst du ein Thema an. Bei mir im Ort gibt es knapp 21.000 Einwohner, und mir persönlich bzw. namentlich bekannt sind schon mal 26 Heilpraktiker. Und dazu kommen noch etliche Heiler, Reikianer, Schamanen, Lebensberater etc., die auch in der Gesundheitsbranche überleben wollen."